Rezension: Oskar und die Dame in rosa

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Bücher, Rezensionen

Ich muss zugeben: Ich bin jemand, der beim Buchkauf unter anderem nach dem Cover und Klappentext auf der Rückseite geht. Manchmal greife ich damit ins Klo. Manchmal finde ich so aber auch Perlen. Im Falle von „Oskar und die Dame in Rose“ von Eric Emmanuel Schmidt habe ich eindeutig einen kleinen Schatz an Land gezogen.

Oskar ist 10 Jahre alt. Er hat Leukämie im Endstadium, und weiß, das er bald sterben muss. Fast alle um ihn herum, vor allem die Stationsärzte, meiden das Thema Tod. Sobald das Thema zur Sprache kommt, wird um den heißen Brei herum geredet, abgelenkt, oder verharmlost. Dabei gehört für Oskar der Tod mit zum täglichen Leben auf der Station wie die Luft zum atmen, oder die gelegentlichen verkrampften Besuche seiner Eltern. Er möchte Antworten auf einige Fragen, die ihm aber niemand geben möchte.

Bis eines Tages eine ältere Dame im rosa Kittel auf die Station kommt, die sich sofort mit Oskar anfreundet, weil sie dem Tod nicht ausweicht und mit ihm unverblühmt über den Tod, Gott, und die erste Liebe spricht. Sie ermutigt ihn Briefe an Gott zu schreiben, in dem er sich vorstellt jeden Tag 10 Jahre älter zu werden. Dies führt von Pubertätsproblemen, der ersten Liebe, über die Heirat, bis hin zur Midlife Crisis und körperlichen Problemen im Greisenalter.

Eric Emanuel Schmidt schreibt so leicht und unverfänglich, wie es sonst nur Kinder können. Er ist dabei kindlich naiv, trifft den Nagel dabei aber immer zielgenau auf den Kopf, was einem gelegentliche Tränen der Rührung in die Augen treibt. Die Kurzgeschichte reicht allerdings aus sprachlicher Hinsicht nicht an Schmitts Meisterwerk „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ran. Muss es aber auch nicht.

——————————————————————————————————–

Eric Emmanuel Schmitt ist ein französischer Autor, der bekannt geworden ist durch seine Novelle „Odette Toulemonde“, und seinem bisher bekanntesten Kurzroman „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, das im Jahr 2003 sogar mit Omar Sharif verfilmt wurde.

——————————————————————————————————–

„Oskar und die Dame in rosa“ ist lediglich 100 Seiten dick, und ist in gut einer Stunde durchzulesen. Das perfekte Buch für lange Bahnfahrten. Aber Vorsicht: Du wirst ein chronisches Grinsen im Gesicht haben, die Leute werden dich komisch angucken und Du solltest den Ausstieg nicht verpassen.

Fazit: Ein tolles, rührendes Buch. Pflichtkauf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.