Steven

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Steven…

  • ist ein Sonntagskind und ein Kind der Liebe (Geburtstag: Sonntag, der 14. Februar 1982( Valentinstag)
  • hat E.T. bereits an die 100 mal gesehen (und Keeping the Faith um die 50 mal)
  • mag raschelndes Laub und Spaziergänge im Wald
  • ist irritiert über die Tatsache, das es Gleitcreme mit Geschmack gibt
  • liebt den Geruch seiner Katze Gisela Lambada
  • liebt es Gauda zu schneiden
  • hatte eine 5 in Mathe auf seinem Abschlußzeugnis
  • hat bereits im Osten, im Süden und im Westen gewohnt
  • möchte gerne irgendwann nach Sydney ziehen
  • fragt sich, ob man die katholische Kirche bei Hagelschäden verklagen kann
  • ist leider chronisch unpünktlich (nur nicht in beruflichen Dingen)
  • ist im Frühjahr 2 Wochen durch Allergien außer Gefecht gesetzt
  • grübelt, ob durchfall(e)n von Dünnschiss kommt
  • liebt Grießbrei mit Kirschen von Dr. Oetker

4 the Players

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Ich habe ja immer viel gespielt. Angefangen hat es mit dem Commodore C64, den ich mir 1991 zu Weihnachten gewünscht habe, und mit dem ich eine durchaus tolle Zeit hatte. Hierbei habe ich damals aus aus Computerzeitschriften Seitenweise Quellcode abgeschrieben. Sehr zum Leidweisen meinerseits, da die Programme oftmals nicht funktionierten, bzw. nicht richtig. Meine Zockervergangenheit fing mit einem damals guten Freund an, der einen Schneider Computer und später dann einen Amiga hatte. Meine erster Handheld war dann der Sega Game Gear, den ich bis heute über alles liebe. Allem voran die Spiele Sonic the Hedgehog und Crystal Warriors, das eines meiner All-Time-Favourites ist. Der Game Gear war dem Game Boy stark überlegen. Man konnte, per TV Tuner, sogar Fernsehen auf dem Ding schauen.

Es gab damals nur zwei Lager: Diejenigen, die Nintendo spielten, und diejenigen die Sega spielten. Sega war und ist natürlich bis heute das wesentlich coolere Lager, auch wenn ich manchmal etwas neidisch bin auf einige gute Spiele wie Zelda Reihe und Super Mario Card. Trotzdem war ich ein Sega Anhänger, da Sega einfach besser war (bis sie Pleite gingen und seitdem nur noch mittelmäßige Software herstellen).

Dann ging es Mitte der 90er weiter mit der ersten Generation an Playstations, die ich mir damals noch mit meinem Bruder teilen musste. Haben stundenland Tekken oder Destruction Derby gespielt. 1997 kam dann mit Final Fantasy 7 eines meiner liebsten Spiele auf den Markt und ich war wochenlang nicht ansprechbar. Das Geld hierfür habe ich mir durch mein Taschengeld zusammen gespart, was allerdings nicht reichte, so dass ich allerhand Babysitter-Jobs und kleinere andere Tätigkeiten verrichten musste. Ein Freund der Familie schenkte mir dann die restlichen fehlenden 20 DM, so dass ich mir das heißersehnte Spiel für damals um die 120 DM kaufen konnte. Kein weiteres Spiel hat mich seitdem wieder so tief in seinen Bann gezogen. Final Fantasy 8 und 9 waren auch tolle Spiele, auch wenn ich den 8. Teil der Serie bevorzuge. Allerdings konnten sie nicht an Final Fantasy 7 heran kommen, auch wenn sie mittlerweile wesentlich besser gealtert sind als Teil 7. Weitere Klassiker auf der PSone waren das hierzulande leider nicht so bekannte Suikoden 1&2 und die mittlerweile leider aufgegebene Reihe Destruction Derby.

Anfang der 2000er Jahre kam dann die PS2 mit tollen Spielen wie die Raw Vs Smackdown Reihe, Final Fantasy 10 und 12 auf den Markt, und konnte mit vielen weiteren großartigen Spielen aufwarten. Dann wurde es leider etwas ruhiger in meiner Zockervergangenheit, da mich das Studien- und Arbeitsleben einholte, so dass ich nicht mehr allzu viel Zeit damit verbringen konnte (und auch nicht wollte). Ich hatte für Jahre sehr viel gespielt, so dass sich eine gewisse Abnutzungserscheinung einstellte. Gut, ich war jetzt nie der Hardcore-Gamer, aber trotzdem habe ich viel gespielt. Ich hatte schon noch mein anderes Leben in der Echtwelt mit Freunden und draußen spielen.

Das nächste mal ergriff mich das Spielefieber dann mit der dritten Auflage der Playstation, die ich mir allerdings erst recht spät zulegte. Vorher hatte ich mir bereits eine gebrauchte Playstation Portable gekauft und sie ausgiebig bespielt. Hier gab es auch die Vorgeschichte von Final Fantasy 7 zu bestaunen, das mich allerdings nicht wirklich begeisterte aufgrund eines zu nervigen Kampfrädchens, das zu 100% auf Glück beruhte. Zu dieser Zeit hatte ich dann meinen ersten Vollzeitjob, der mir viel abverlangte und dem ich mich sehr ausgiebig widmete, so dass ich wieder weniger Zeit zum prokrastinieren hatte.

Nach einigen Berufsjahren und einem verbesserten Zeitmanagement war ich dann einer der ersten, der mir auch die Playstation 4 zulegte, so dass ich direkt von Anfang an auf der Next Gen-Welle surfte, auch wenn sich in der Anfangszeit eine große Ernüchterung breit machte, da es nur eine Hand voll guter Spiele gab, und ich meine alten PS3 Spiele, die ich online gekauft habe nicht auf der PS4 spielen konnte. Bis heute nicht kann. Mittlerweile gibt es dort allerdings einige Spiele, die mir das Spielerherz aufgehen ließen. So freue ich mich wahnsinnig auf Final Fantasy 15, dem Spiel das bereits zwei mal eingestampft wurde und jetzt seit 8 Jahren in Entwicklung ist. Zudem wurde ja vor kurzem ein Remake von Final Fantasy 7 versprochen. Des weiteren hat mich „The last of us“ komplett in den Bann gezogen. Hatte noch kein Spiel, bei dem die Story und gerade auch die Charaktere so unglaublich fesselnd und mitreißend waren. Hierzu ist auch eine Filmadaption geplant.

The last of us ist einer der wenigen Titel die auf Entschleunigung setzen und nicht auf „Hack & Slay“ Orgien setzen. Genau die Unbeharrlichkeit und Hektik hat mich auch bei den letzten Final Fantasy Teilen schwer enttäuscht, so dass ich den neuen Spielen zwar sehr freudig, aber auch vorsichtig zweifelnd, gegenüber stehe.

TOP 10 meiner liebsten Spiele (Plattformübergreifend)

1) The last of us (PS4)
2) Final Fantasy 7 (PS1)
3) Final Fantasy 8 (PS1)
4) Suikoden 1 & 2 (PS1)
5) Shining Force 2 (Sega Mega Drive)
6) Crystal Warriors (Sega Game Gear)
7) Dungeons & Dragons – Warriors of the Eternal Sun (Sega Mega Drive)
8) Final Fantasy 10 (PS2)
9) Tekken 2 (PS1)
10) WWF RAW (Sega Mega Drive)

Weitere: Assassins Creed (komplette Reihe), Monkey Island 1-3, Sam& Max, Baphomeths Fluch 1-3 & 5, Maniac Mansion, Day of the Tentacle, Die Siedler 1-3, Harvest Moon, Pokemon und viele viele weitere.

Und Du so?

Rezept: Soljanka

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Hier eines meines Lieblings-Rezepte und ein wahrer „Vegetarier Traum“.

200 g Speck, klein gewürfelt
4-5 Zwiebel(n), in feine Würfel geschnitten
1500 g Wurst – und Bratenreste, in Streifen, bzw. Würfel geschnitten
1 Dose Sauerkraut (hier nicht am Geld sparen: das von Sonnen Bassermann ist das Beste)
1-2 Knoblauchzehe(n), fein gerieben
200 g Tomatenmark
2 EL Paprikapulver, edelsüß
1,5 Liter Gemüsebrühe
1 Becher saure Sahne oder Creme Legere
Salz und Pfeffer

Die Speckwürfel glasig dünsten, dann die Zwiebeln dazu, auch glasig werden lassen.  Fleisch- und Wurstreste dazu geben, ca 5 Minuten anbraten. Knoblauch und Tomatenmark dazu, umrühren. Dann Paprika dazugeben, ebenfalls 5 Minuten dünsten. Mit der Gemüsebrühe auffüllen und das Sauerkraut hinzu fügen. 20 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Für eine tolle Konsistenz etwas Gewürzketchup (Hela) hinzufügen. Nach den 20 Minuten vom Herd nehmen, saure Sahne kann untergerührt oder separat dazu gereicht werden. Danach nochmals abschmecken.

Je nach Geschmack kann man die Soljanka mit frischem Dill oder frischer Petersilie bestreuen. Am besten schmeckt die Soljanka, wie fast alle Eintöpfe, wenn man sie einen Tag vorher kocht und dann nur noch mal erwärmt.

Final Fantasy 7 Remake – a dream come true

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Durch Zufall bin ich gerade bei Facebook auf einen Trailer von der diesjährigen E3 Expo gelangt und mir ist der Atem gestockt, da die Überschrift aus den Worten „Final Fantasy 7 Remake“ bestand. Zu oft hat Square Enix mit meiner Seele gespielt, deshalb war ich durchaus vorsichtig, was die vermeintlich frohe Kunde anbelangte. Ich startete den Trailer und mich schüttelte es als ich die altbekannte Rutsche aus Sektor 4 sah. Als dann auch noch Barrett und Squall auf dem Bildschirm auftauchten und ich realisierte, dass die Off-Stimme vermutlich Sephirot ist, hatte ich am ganzen Körper Gänsehaut. Als dann auch noch das FF7 Logo (in neuem Gewand) und das in Versalien geschriebene Wort „REMAKE“ auf dem Bildschirm erschien, gab es kein halten mehr. Danke Square! Endlich. ENDLICH! Ein Kindheitstraum wird wahr.

Ich weiß noch wie ich mir Final Fantasy 7 1997 von meinem Taschengeld nicht leisten konnte, und ich alle Nachbarn und Freunde meiner Eltern fragte ob ich für Geld auf Ihre Kinder aufpassen oder ihren Rasen mähen konnte, bis ich schließlich das Geld zusammen hatte. Ein Freund meiner Mutter gab mir schließlich, nachdem ich stundenlang nervte, noch 20 oder 30 Mark dazu. Ach, was für Zeiten! In den Folgewochen war ich vermutlich recht wenig an der frischen Luft. Ich weiß noch wie ungemein mich dieses Spiel in den Bann zog. Es vergeht kein Jahr an dem ich das Spiel nicht mindestens einmal durchspiele. Klingt ganz schön nerdig, oder? Vermutlich bin ich auch ein Nerd. Nein, ziemlich sicher sogar.

Queerfamily

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Elternsprechtag. 2 Elternpaare finden sich zum Plausch mit der Lehrerin im Klassenzimmer einer Berliner Grundschule ein. „Patchworkfamilie“, denkt sich die aufgeklärte Lehrerin und bittet die beiden Paare sich zu setzen. Bis sich plötzlich die zwei Väter nebeneinander setzen, Händchen halten und sich liebevoll einen Kuss geben. Verwirrung. „Queerfamily“, sagt daraufhin einer der Mütter mit grinsendem Gesichtsausdruck. Was das genau ist, versuche ich in einem kurzem Interview mit dem werdenden Vater Roman zu verdeutlichen.

Steven: Du wirst Vater. Was ist das für ein Gefühl?

Roman: Es spielen sich mehrere Gefühle gleichzeitig ab. Man fühlt sich froh, als ob man etwas wichtiges begonnen hat, aber gleichzeitig auch ungewiss darüber, wie sich alles entwickeln wird. Manchmal kann ich es gar nicht richtig begreifen.

Steven: Wolltest Du schon immer Kinder? Und wer ist auf die Idee gekommen eine lesbische Bekannte zu fragen ob sie „dein“ Kind austrägt? Wie sind eure beiden Partner/ Partnerinnen damit zurecht gekommen? War das eine Gemeinschaftsentscheidung?

Roman: Mir war irgendwie schon während meiner Pubertät klar, dass ich mal Nachwuchs möchte. Ich kann mich erinnern, dass ich mir damals vorgestellt habe,wie es wäre, eine Tochter zu haben. Auf die Idee, es mit einem lesbischen Paar zu versuchen, bin ich gekommen, weil ich keine andere praktikable Möglichkeit für meine Situation gesehen habe. Mein Freund André ist damit gut zurechtgekommen. Anfangs war er etwas unschlüssig, aber das ist jetzt einer frohen Erwartungshaltung gewichen. Ich habe André vorher gefragt, ob er etwas dagegen hätte. Es war also schon so, dass ich ihn in die Entscheidung weitgehend miteinbezogen habe. Das lesbische Paar kommt ganz gut mit der Situation zurecht. Sie freuen sich schon sichtlich auf das kleine Mädel und denken schon über Namen nach.

Steven: Habt ihr euch schon Gedanken darüber gemacht wie ihr das mit der Erziehung macht? Wer wird eure Tochter wann sehen? Wer entscheidet wichtige Dinge in Ihrem Leben?

Roman: Ich werde meine Tochter regelmäßig sehen, aber das meiste werden ihre Mamis übernehmen. Alle Details haben wir noch nicht geklärt. Teilweise fahren wir auch nur auf Sicht, weil es für uns alle neu ist und wir keinen genauen Masterplan haben. Es ist nicht gerade so, als ob einem für diese spezielle Situation viele Rollenbilder zur Verfügung stehen. Deshab versuche ich, mit dem lesbischen Paar eine Vertrauensbasis zu schaffen und zu vergrößern, um alle eventuellen Probleme einvernehmlich lösen zu können. Die beiden sind ja auch kein fester Block,d.h. mal bin ich vielleicht mehr mit der leiblichen Mutter, mal auch eher mit der Co-Mutter einer Meinung. Die leibliche Mutter wird wahrscheinlich etwas strenger sein und die Co-Mutter der Tochter wiederum mehr erlauben. Ich würde wahrscheinlich auch in die zweite Kategorie fallen aus jetziger Sicht. (lacht)

Steven: Wie ist denn die Beziehung zur Mutter und ihrer Partnerin? Siehst Du sie als Freundinnen an? Seht ihr euch des öfteren? Und wirst Du bei der Geburt dabei sein?

Roman: Bisher war es so, dass wir uns alle paar Wochen getroffen haben, anfangs, um das ganze „Projekt“ zum laufen zu bringen. *lacht* Und jetzt, um uns besser kennen zu lernen. Außerdem will ich ja immer wieder erfahren, was die aktuellsten ärztlichen Untersuchungen ergeben haben und ob der Nachwuchs gesund ist. Bisher ist zum Glück alles super. Ich habe mir für die Zeit der Geburt nichts vorgenommen, werde im Sommer also nicht verreisen. Wenn ich die Möglichkeit hätte, dabei zu sein, würde ich das gerne tun. Aber ich respektiere dabei zu aller erst, was Andrea* und Nadine* (*Namen geändert, Anmerkung der Redaktion) wollen. Wenn ich mich zu sehr aufdränge, könnte ich sie vielleicht in die Zurückhaltung drängen. Ich versuche die richtige Balance zu finden zwischen dem, was ich gerne hätte und dem, was die beiden gerne hätten. Ich mag beide. Sie sind witzig, man kommt schnell mit ihnen ins Gespräch, und sie wollen auch, dass das Kind seinen Vater kennt und dass ich einen Anteil am Leben des Kindes habe.

Steven: Das heißt Du hast sie erst kurz vorher kennen gelernt? Was ist wenn ihr euch nicht versteht? Wie habt ihr die Zeugung gemeistert? Hattet ihr richtigen Geschlechtsverkehr, oder hat sie dein Sperma lediglich eingeführt?

Roman: Ich habe die beiden Anfang vor knapp einem Jahr kennen gelernt über eine Annonce. Seit Jahren habe ich danach Ausschau gehalten, aber es ist recht selten, und in einem Monat habe ich dann gleich 2 Paare kennen gelernt und mich dann später für eines entschieden. Die Zeugung ist mit der Becher-Methode vonstatten gegangen, da künstliche Befruchtung im Labor viel zu kostspielig ist und – wenn ich mich korrekt erinnere – es in Deutschland auch nicht erlaubt ist bei unverheirateten Paaren. Und eine Scheinehe wollte ich dafür nicht eingehen. Die Becher-Methode ist die günstigste, und wenn man keine Vorbelastungen hat, ist es auch die einfachste. 4 Versuche waren nötig, bis es geklappt hat. (Also 4-5 Monate) Das wir uns plöttzlich nicht mehr gut verstehen, kann ich mir nicht vorstellen. Man kann nicht für jede Eventualität vorplanen. Aber ich bin bereit, Kompromisse zu schließen, und die beiden auch. Das dürfte die Wahrscheinlichkeit verringern, dass wir uns zerstreiten.

Steven: Wissen eure Eltern davon das ihr nun zu viert Eltern werdet? Was haben eure Bekannten und Freunde dazu gesagt? Gab es da unterschiedliche Meinungen?

Roman: Meine Eltern wissen seit 2 Monaten davon. Ich hatte im November erfahren, Vater zu werden, wollte aber 3 Monate abwarten, bis ich es meinen Eltern erzähle.Ich wollte ihnen keine falschen Hoffnungen zu machen und zudem die Anfangszeit abzuwarten, in der die Schwangerschaft noch am ehesten schief gehen kann. Außerdem hatte ich auch irgendwie Angst, es ihnen zu sagen und musste mehrmals nach dem richtigen Moment Ausschau halten. Das kann einem echt schwer fallen. Meine Eltern haben gemischt reagiert.
Meine Mutter hat sich freudig gezeigt und mir den Rat gegeben, immer Zurückhaltung zu üben und auf die beiden zuzugehen. Sie ist Anwältin und weiß daher aus erster Hand, dass es für meine Spezialsituation noch keine Gesetze gibt. Somit kann ich auch nichts einklagen. Mein Vater war mehrere Tage geschockt und fragte mich, ob ich es für Geld gemacht habe. Natürlich habe ich dies nicht, was ihn noch mehr erstaunte. Er fragte sich besorgt, wie er das nur seiner russischen Verwandtschaft beibringen soll. Die wissen ja noch nicht mal, dass ich seit fast 10 Jahren in einer schwulen Beziehung lebe. Und Russland ist generell nicht die toleranteste und verständnisvollste Gegend, was Homosexualität betrifft. Andere Verwandte wissen es noch nicht, dafür aber so ziemlich alle meine Freunde.

Meine Bekannten haben es alle begrüßt und freuen sich sehr. Mein bester Freund hat mir aber auch gleichzeitig zur Vorsicht geraten, auf dass ich nicht zu blauäugig an die Situation herangehe. Ich bin für beide Positionen dankbar, denn ich brauche sowohl Rückhalt in meiner Entscheidung, als auch Warnschilder, um Fehlentwicklungen entgegen zu wirken.

Was nicht so leicht werden könnte, sind Fragen der Gesundheit des Kindes. Da bin ich ziemlich rigoros und muss vielleicht etwas zurückschalten. Ich würde zum Beispiel nur ungern sehen, dass meine Tochter sich später Fastfood und Fertigprodukte rein stopft. Auch denke ich, dass es die Kindesentwicklung zurückwirft, wenn der Fernsehkonsum zu stark wird und weiß auch nicht, ob ich gerne hätte, dass die Tochter bestimmte Impfungen erhält, denen gegenüber ich im Bezug auf das Risiko-Nutzen-Verhältnis skeptisch bin (Gebärmutterkrebs-Impfung Gardasil z.B.). Es kann sein, dass es dabei unterschiedliche Ansichten geben wird. Und genau da muss ich kompromissbereit bleiben. Mit dem Kopf durch die Wand bringt mir da gar nichts.

Steven: Denkst Du die Gesetze in Deutschland müssten für solche Fälle geändert werden und die Rechte der Schwulen und Lesben in solchen Spezialfällen gestärkt werden?

Roman: Ja, die Gesetze sollten auf jeden Fall geändert werden. Zum einen sollte fair geregelt werden, dass wenn sich ein schwules und lesbisches Paar oder generell ein Schwuler oder eine Lesbe darauf einigen, dem Wunsch nach Nachwuchs nachzugehen, dass auch beide später regelmäßig Kontakt zum Kind haben können. Außerdem ist es mit dem Unterhalt nicht richtig geregelt. Wenn z.B. ein Schwuler einem lesbischen Paar beim Nachwuchswunsch hilft, wäre es unfair, wenn der Schwule dafür Alimente zahlt, obwohl das Kind zwei Vollzeiteltern in der lesbischen Beziehung hat. Wie auch immer, es gibt so viele Varianten und Situationen, dass es generell Regeln braucht für Erziehungsberechtigte, für das Sorgerecht, für den Unterhalt, bei grundlegenden Erziehungsfragen und ähnlichem. Außerdem ist in Deutschland noch immer nicht die Adoption für homosexuelle Paare erlaubt. Das ist Diskriminierung.

Steven: Denkst Du die Gesellschaft ist schon bereit für solche Queerfamilys? Hast Du Angst davor das deine Tochter im Kindergarten oder der Schule durch 2 Elternpaare gehänselt werden könnte? Was sagst Du ihr dann?

Roman: Ich denke, dass die Gesellschaft an der Schwelle dazu steht, bereit für Patchwork- und Queerfamilys zu sein. Es gibt aber keinen Grund, abzuwarten, bis auch noch der konservativste Mensch in Deutschland damit kein Problem mehr hat, denn ich denke, dass mein Kinderwunsch schwerer wiegt als die Frage, ob jemand pikiert darauf reagieren könnte.

Zudem muss unsere Gesellschaft dringend wieder kinderfreundlicher werden. Dazu gehört, dass Kindertagesstätten überall vorhanden sein müssen, dass Kinder kostenloses Essen und später Schulmaterial bekommen, dass die Schulbildung und spätere Hochschulbildung Freiraum zur eigenen Entwicklung und Kreativität lässt und dass Kinder nicht danach selektiert werden, ob sie von reichen oder armen Eltern kommen. Denn das ist Sozialdarwinismus – eine Geißel, die gerade wieder auflebt, nachdem sie 60 Jahre lang (zurecht) auf dem Müllhaufen der Geschichte lag.

In manchen Dingen muss man auch vorangehen und die Realität selber gestalten und fortentwickeln. Ich habe ehrlich gesagt keine Sorge, dass meine Tochter gehänselt werden könnte. Studien im Ausland und auch aus Deutschland zeigen zwar, dass solche Hänseleien stattfinden, aber auch, dass die Kinder in der Regel psychisch stark genug sind, ihre Eltern zu verteidigen und sich selbst als eine normale Variante von Familie zu betrachten.

Natürlich werde ich aber auch helfen, wenn ich kann, um dem Kind die nötige Kraft und vielleicht ein paar gute Worte mitzugeben, um sich zu verteidigen, falls es sein sollte. Aber wie gesagt, diese Befürchtung ist meist übertrieben, wie die Studien es zeigen. Kinder aus schwul-lesbischen Familien sind meist sogar später psychisch stabiler und toleranter. Es spielt keine Rolle, in welcher Konstellation ein Kind aufwächst, solange es viel Liebe und Zuneigung erhält.

Steven: Danke für das Interview. Haltet mich auf dem Laufenden! Dem Kind und euch alles erdenklich Gute!

(Interview vom 04.04.2010, Erstveröffentlichung bei seidu.de)

Der Mythos „Opa“ bröckelt

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Es ist schon seltsam, wie ich meinen Opa in Erinnerung habe und wie er aller Voraussicht nach in Wirklichkeit war. Als Kind war er der tollste Opa, den ich mir vorstellen kann. Er war mit mir angeln, hat mich Johannisbeeren pfücken lassen und hat sie danach gezuckert. Vor dem Schlafen gehen durfte ich mir vor dem Zähne putzen immer ein Bonbons aus einer kleinen Kristall-Bonboniere nehmen, die ich heute immer noch besitze. Vor dem Einschlafen hat er mir immer den Rücken gekratzt, auch wenn ich dann später auch seinen Rücken kratzen musste. Die Zeit war dennoch ganz klar auf meiner Seite, da ich ungefähr nur ein Viertel der Zeit seinen Rücken kratzen musste. Das einzig doofe an meinem Opa waren die feuchten Knutscher, die er mir zu jeder Gelegenheit gab. Opas halt.

Ich kann mich daran erinnern, dass ich ab und zu die Bierreste seiner Bierflaschen leer getrunken habe. Als Kind war das natürlich absolute Rebellion und Tageshighlight, weil es verboten war. Nie im Leben habe ich mir damal träumen lassen, dass etwas mit meinem Opa nicht in Ordnung ist. Er war Alkoholiker, wie er im Buche stand. Als 3-6 jähriges Kind merkt man das allerdings nicht, bzw. kann es nicht zuordnen, warum sein Opa sich merkwürdig benimmt und ins Bett schwankt.

Das einzige was ich noch von meinem Opa besitze sind ein paar vergilbte Photos, sein Taschenmesser und sein Gebiss. Ja, sein Gebiss. Als er gestorben ist und wir die Überreste seines privaten Besitzes mitnehmen mussten, habe ich eben dieses in einem gelben Sack gesehen dass die Schwester gerade wegschmeißen wollte. Aber ist das nicht schrecklich? Mein Opa hat das so viele Jahre bei sich getragen und nun soll es einfach achtlos weggeschmissen werden?

Viele Leute finden das pietätlos und finden dass ich das endlich entsorgen sollte. Aber mich erinnert es an meinen Opa. Es steht im Übrigen jetzt auf meiner Spardose. Zuerst wollte ich einen Schlüsselanhänger daraus machen, aber da muss ich zugeben das es doch schon ein bisschen geschmacklos wäre.

Auf der Suche nach dem „JETZT“

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Ich will weit weg. Wo auch immer das sein mag. Ich mag Köln. Es ist ein befremdliches Gefühl hier weg zu wollen. Ich habe ständig das Gefühl etwas zu verpassen. Ich würde sogar soweit gehen und es Fernweh nennen. Immer bedacht darauf dass ich etwas verpassen könnte; suchend nach dem Gefühl von Freiheit, das ich manchmal ganz vergesse mein Leben intensiver zu leben. Dabei habe ich sicherlich kein schlechtes Leben. Es ist nur, dass ich oft in der Vergangenheit lebe. Oder in der Zukunft. Selten im JETZT.

Vielleicht weil ich zu viel erwarte. Vielleicht weil ich mich überschätze. Vielleicht weil ich andere unterschätze. Jemand hat mir vor langer Zeit gesagt dass ich ein gewisses Talent habe. Es ist verdammt schwer für mich solch ein Kompliment anzunehmen. Mein Leben lang haben die Leute immer gesagt das ich mehr kann als ich zeige. Ich habe Angst davor sie zu enttäuschen und zu realisieren das dem nicht so ist. Nur wann ist der Zeitpunkt gekommen an dem ich mich beweisen kann?

Und schon wieder lebe ich in der Zukunft und in der Vergangenheit zugleich.

Mein ehemaliger Verleger aus dem Coppenrath Verlag, Wolfgang Hölker, hat in seinem Büro eine riesige Skulptur stehen auf der ein weiser Spruch steht: „time is always now.“ Recht hat er.

Rezension: Oskar und die Dame in rosa

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Ich muss zugeben: Ich bin jemand, der beim Buchkauf unter anderem nach dem Cover und Klappentext auf der Rückseite geht. Manchmal greife ich damit ins Klo. Manchmal finde ich so aber auch Perlen. Im Falle von „Oskar und die Dame in Rose“ von Eric Emmanuel Schmidt habe ich eindeutig einen kleinen Schatz an Land gezogen.

Oskar ist 10 Jahre alt. Er hat Leukämie im Endstadium, und weiß, das er bald sterben muss. Fast alle um ihn herum, vor allem die Stationsärzte, meiden das Thema Tod. Sobald das Thema zur Sprache kommt, wird um den heißen Brei herum geredet, abgelenkt, oder verharmlost. Dabei gehört für Oskar der Tod mit zum täglichen Leben auf der Station wie die Luft zum atmen, oder die gelegentlichen verkrampften Besuche seiner Eltern. Er möchte Antworten auf einige Fragen, die ihm aber niemand geben möchte.

Bis eines Tages eine ältere Dame im rosa Kittel auf die Station kommt, die sich sofort mit Oskar anfreundet, weil sie dem Tod nicht ausweicht und mit ihm unverblühmt über den Tod, Gott, und die erste Liebe spricht. Sie ermutigt ihn Briefe an Gott zu schreiben, in dem er sich vorstellt jeden Tag 10 Jahre älter zu werden. Dies führt von Pubertätsproblemen, der ersten Liebe, über die Heirat, bis hin zur Midlife Crisis und körperlichen Problemen im Greisenalter.

Eric Emanuel Schmidt schreibt so leicht und unverfänglich, wie es sonst nur Kinder können. Er ist dabei kindlich naiv, trifft den Nagel dabei aber immer zielgenau auf den Kopf, was einem gelegentliche Tränen der Rührung in die Augen treibt. Die Kurzgeschichte reicht allerdings aus sprachlicher Hinsicht nicht an Schmitts Meisterwerk „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ran. Muss es aber auch nicht.

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Eric Emmanuel Schmitt ist ein französischer Autor, der bekannt geworden ist durch seine Novelle „Odette Toulemonde“, und seinem bisher bekanntesten Kurzroman „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“, das im Jahr 2003 sogar mit Omar Sharif verfilmt wurde.

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„Oskar und die Dame in rosa“ ist lediglich 100 Seiten dick, und ist in gut einer Stunde durchzulesen. Das perfekte Buch für lange Bahnfahrten. Aber Vorsicht: Du wirst ein chronisches Grinsen im Gesicht haben, die Leute werden dich komisch angucken und Du solltest den Ausstieg nicht verpassen.

Fazit: Ein tolles, rührendes Buch. Pflichtkauf.

Rezept: Ménage a trois in Suppenform

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Du suchst eine Vorspeise für ein romantisches Candlelight Dinner oder willst die Familie deines/r Liebsten beeindrucken? Dann ist die dreifarbige Paprikasuppe nicht nur ein optischer Hingucker, sondern auch ein köstlicher Appettitanreger für ein üppiges Mahl. Dieses Rezept ist mehrfach kampferprobt und wurde äußerst gut angenommen. Das erstaunen der Anwesenden wird Dir sicher sein.


Zutaten:

500 g rote Paprika

500 g gelbe Paprika

500 g grüne Paprika

1,5 Liter Gemüsebrühe

1 Päckchen Sahne/ Cremefiné

Pfeffer

Salz

Paprikapulver (für die rote Suppe)

Currypulver (für die gelbe Suppe)

Muskatpulver (für die grüne Suppe)


Alle Paprikaschoten vierteln und zusammen in der Gemüsebrühe etwa 20 Minuten weich kochen lassen. Danach werden die unterschiedlich farbigen Paprikas getrennt weiter verarbeitet. Hierfür einfach pro Farbvariation die Paprika klein schneiden und dann mit etwas Gemüsebrühe im Mixer fein pürieren, so das größere Stückchen verschwinden. Je länger man püriert, desto feiner wird die Suppe.

Der grüne Anteil wird mit Muskat abgeschmeckt, der gelbe Anteil mit Currypulver und der rote mit Paprikapulver. Je nach gusto kann man die Suppen auch mit etwas Sahne oder Cremefiné abschmecken. Unbedingt darauf achten das die Suppe nicht zu dünn wird. Eine cremige Konsistenz ist besser. Danach wie gewohnt pfeffern und salzen und nochmals aufkochen.

Zum servieren sollte man zu zweit sein, da man die drei unterschiedlichen Suppen gleichzeitig auf den Teller geben muss. Achte hierbei das sich die Farben nach Möglichkeit nicht mischen. Es geht allerdings mit geschicktem Händchen auch alleine. Für das optische Schmankerl kannst Du sorgen wenn Du mit einem Holzspieß oder einem spitzen Gegenstand die Suppen im zick zack leicht ineinander wischst.

Guten Appettit.

Rezension: 2012 (Roland Emmerich)

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Klischeehafter Exmann Jackson (John Cusack) fährt mit seinen klischeehaften Kindern in den Yellowstone Nationalpark, von dem aus die Katastrophe seinen Lauf nimmt. Erdplattenverschiebungen und Vulkanausbrüche sorgen von nun an für die Unterhaltung, was die Handlung um das Expärchen und den neuen Lover von Mutter Kate (Amanda Peet) komplett untergehen lässt. Das ist auch gut so, denn interessiert hätte sie eh keinen.

Man bekommt viel mehr das Gefühl, dass als Entschuldigung für das atemberaubende aber simple Fluten der Erde ein paar x-beliebige Klischeehandlungsstränge aus der angeödeten Mottenkiste gekramt wurden. Wieso dieses Machwerk trotz der einfältig platten und in jeder Hinsicht austauschbaren Charaktere dennoch so gut wie nie richtig langweilig wird ist schnell erklärt: dies ist ein Abenteuerfilm, der kaum eine Sekunde stillsteht, von einer Rettung in letzter Sekunde wird zur nächsten gehetzt, hier werden mal ein paar unbedeutende Komparsen weggespült und dort sterben ein paar andere unwichtige Nebendarsteller einen heroischen aber bedeutungslosen Tot. Das unsere Hauptfiguren dabei überleben ist von der ersten Sekunde an klar. Und dass der Tod des neuen Lovers bei keinem der Protagonisten auch nur die geringste Traurigkeit aufkommen lässt, verdeutlicht, wie stark die emotionale Bindung an diesen Film auch beim Zuschauer ist: nämlich quasi nicht vorhanden. Ein paar nervigen Charakteren (wie z.B. Woody Harrelson) mag man einen schnellen Tod wünschen, doch insgesamt interessieren die Protagonisten einfach nicht. Schon vor Beginn wird klar was die Stärken des Filmes sind: die Special effects, die monströsen Bilder, also schlicht und einfach seine Zerstörungswut. Das Warten auf diese Szenen hält gewissermaßen den Film am laufen. Man rettet sich quasi vor der schmerzhaften „Handlung“, indem man immer wieder auf die nächste, schön anzuschauende, Auslöschung von Menschenleben wartet. Am Ende überleben unsere Helden natürlich und ein malerisches Happy End liegt in naher Zukunft.

2012 lässt sich in wenigen Worten als ein Film bezeichnen, der zwar durchaus zu unterhalten weiß, auf den man aber genauso gut verzichten könnte. Wieder einmal hat Roland Emmerich einen mit ca. 160 Minuten Spielzeit überlangen Katastrophen-Action-Thriller ins Leben gerufen und beim Anschauen lässt einen das Gefühl nicht los, das alles schon einmal gesehen zu haben. Zwar sind die Actionszenen kurios eingefangen und man bekommt den Eindruck, mehr in einer Achterbahn zu sitzen als in einem Kinosessel, doch bleiben diese Leinwandbonbons das Einzige was wirklich zu überzeugen weiß.

Unterm Strich bleibt also ein fader Nachgeschmack und trotz der teils atemberaubenden Spezialeffekte und der langen Spielzeit wird man das Gefühl nicht los, zu viel für die Kinokarte ausgegeben zu haben und übers Ohr gehauen worden zu sein. Wer klischeeüberladene Unterhaltung für die ganze Familie sucht und sein Gehirn abschalten möchte (bzw. kann), dem sei aber durchaus gegönnt diesem Film eine Chance zu geben.

(Gesamtwertung: 4/10)

2012   2012johncusack

Aufgeschoben

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Das Leben ändert sich unaufhörlich. Jeden Tag. In jeder Bewegung. In jedem Atemzug. Veränderung ist der Pulsschlag des Lebens. Der Impuls, der ein Leben lebenswert macht. Es hat sich so viel verändert in den letzten Wochen. In meinem Leben. Im Leben anderer. So kommt es mir zumindest vor. Eigentlich ist nicht viel nennenswertes passiert. Aber dennoch fühle ich mich anders. Nehme Dinge anders wahr. Gehe mit gewissen Menschen anders um. Manchmal fühle ich mich sogar als ob ich mich anders bewege.

Was passiert ist? Ich habe mich verändert. In eine Richtung verändert, in die ich nicht gehen wollte. In den letzten Monaten habe ich einige Menschen behandelt als seien sie Luft. Habe mir die Menschen heraus gepickt mit denen ich was machen wollte, und die Menschen vernachlässigt mit denen ich nicht sprechen wollte. Vielleicht weil sie unangenehm sind und Überwindung kosten. Vielleicht weil ich ihre Probleme nicht hören wollte. Vielleicht weil sie langweilig sind. Vielleicht aber auch nur weil ich mich nicht getraut habe ihnen entgegenzutreten. Und warum? Egoismus. Ich war so sehr mit mir selbst beschäftigt dass ich andere Menschen nur noch getrübt wahrgenommen habe. Ich bin nicht mehr richtig auf ihre Gefühle eingegangen, weil ich selbst zu viel mit mir selbst zu tun hatte.

Warum denken eigentlich immer alle ich sei melancholisch? Auch „traurig“ habe ich in den letzten Wochen sehr oft gehört. Ich bin nicht melancholisch, und erst Recht nicht traurig. Dies ist ein verdammt – verschissen – fröhlicher Eintrag! Wie kann man auch anders bei diesem herrlichen Wetter. Ich war sehr oft am See und bin mittlerweile richtig braun, habe einen Freund wieder kennen lernen dürfen nachdem ich ihn 4 Jahre kaum gesehen habe. Außerdem haben alte Bekannte aus meiner ehemaligen Heimatstadt Gransee (Brandenburg) meine Eltern besucht, was einen in Erinnerungen schwelgen lässt. Wie unbeschwert mir diese Zeit im Nachhinein doch vorkommt.

Ich kann mich noch ziemlich genau an den Tag der Grenzöffnung erinnern. Vormittags war ich in der Schule, dann kam diese berühmte Rede im DDR Staatsfernsehen dass die Grenzen geöffnet werden. Nachmittags waren wir unterwegs ins Nirgendwo. Ich habe nicht einen meiner Freunde wieder gesehen. Bis heute nicht. Aber ich spiele mit dem Gedanken Kontakt mit einem Jungen aufzunehmen, von dem man sagt, dass es mein bester Freund war damals. Er soll jetzt Medizin studieren, und sich auch ansonsten gut entwickelt haben. Aber was soll ich ihm schreiben? „Hallo, ich bin Steven. Vor 17 Jahren wurde ich aus meinem Leben gerissen und gezwungen woanders sesshaft zu werden. Außerdem bin ich schwul.“ Nein, so geht das nicht.

Aber dass ich mich bei ihm melden möchte spukt schon seit Jahren in meinem Kopf herum. Und ich habe Angst, dass ich es niemals machen werde. Bald kommt mein Freund aus Spanien zurück, wo er fast ein Jahr lang studiert hat. Er wird nach Dresden zurück ziehen, wo er Architektur studiert. Das wäre dann auf dem Weg. Aber zuerst werde ich ein paar Wochen mit ihm genießen bevor es dann wieder ans Lernen und Arbeiten geht. Mein Leben ist das reinste Chaos. Wohin mich mein Weg wohl führen wird?

Und wieder ändert sich das Leben unaufhörlich.

Areesha

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Sie ist heute von uns gegangen. Sie hatte einen schönen Tod. Einen Tod, den man sich wünscht. Einen Tod den man nicht spürt, sagte der Arzt. Aber wieso nur so früh? Und wieso ausgerechnet sie? Sie war so quicklebendig, hatte keinerlei Schmerzen, und war für meine Familie und mich eine Frohnatur wie es sie nie wieder geben wird. Nie wieder werde ich mit ihr kuscheln, nie wieder werde ich mir ihr spielen. Aus. Vorbei.

Ich kenne meinen Hund Areesha seitdem sie 6 Wochen alt ist, habe gesehen wie sie größer geworden ist und wie sie Ihre Kinder geboren hat, habe unzählige Stunden mit ihr in einem Bett geschlafen, eng an eng, meistens in meinen Kniekehlen oder ganz nah am Bauch.

Sie hat es geliebt wenn ich ihr die Innenseite der Ohren gekrault habe, und kannte die Stellen an der sie kitzelig war. Als Welpe, als sie sich noch nicht so wehren konnte habe ich immer ihren Bauch geküsst. Das hat sie gehasst, aber sie hat dabei immer so lustige Grimassen gemacht. Wenn man „Bauch küssen“ sagte, hat sie immer angefangen zu jaulen, weil sie wusste dass man sie wieder ärgern will. Ich glaube sie hat es dennoch gerne gehabt, fast so wie kleine Kinder die zwar vor dem Papa wegrennen, aber dennoch gefangen und durchgekitzelt werden wollen.

Areesha hatte riesige Ohren, was super witzig aussah in Relation zu ihrem winzigen Körper. Sie war der perfekte Hund. Für mich. Für meine Familie. Als wir entscheiden mussten ob sie leben oder eingeschläfert werden soll brach für mich eine Welt zusammen.. Ich kann das noch gar nicht so richtig glauben dass sie nicht mehr bei uns ist. Das ganze reißt so ein riesiges Loch in unsere Familie. Sie war immer da wenn man zu Hause war. Immer jemand der einen warmherzig und Schwanz wackelnd begrüßt hat wenn man nach Hause gekommen ist. Sie hat einen getröstet wenn man traurig war, und hat sich gerne angeboten wenn man kuschel bedürftig war.

Sie hatte eine faustgroße Ziste im Magen die mit der Aoarta verwachsen war und mit einem halben Liter Blut gefüllt war. Der Arzt sagte uns dass sie so noch 2 bis 3 Wochen leben würde, und dann innerlich verbluten würde. Der Rest ist Geschichte. Sie wird mir so in Erinnerung bleiben, wie sie war. Warmherzig, frech, intelligent, eigensinnig und schlichtweg der beste Hund den man sich wünschen kann. Areesha wird immer mein Hund bleiben.

Musik und Stille

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Musik ist schon eine komische Sache. Ich dachte immer ich brauche keine Musik. Manchmal belehrt mich mein Herz eines besseren.

Früher hat mir Susi manchmal Klavier vorgespielt und ich lag daneben und habe geträumt. Es war so schön einfach nur dazuliegen und der Musik zu lauschen. Besonders mochte ich ein Stück. The Snowman _ Walking in The Air. In diesen Momenten habe ich die Welt um mich herum vergessen, auch wenn ich zu dieser Zeit viele Probleme hatte.

Es ist witzig wie man Musik mit Dingen oder Personen verbindet. Ich habe einzelne Lieder im Kopf und denke an eine Person. So haben fast alle meine Freunde ein eigenes Lied. Die Komposition meines Herzens möge man sagen. Ich möchte nicht melodramatisch klingen, aber ich denke ich habe die Musik für mich entdeckt. Ich dachte immer dass ich Musik nicht brauche. Nicht mehr als Hintergrundgeräusche um die unerträgliche Stille zu übertünchen. Stille kann unerträglicher sein als 150 Dezibel an schrecklichster Musik.

Stille ist durchdringender. Und je mehr Personen in mein Leben treten umso mehr werde ich an Lieder erinnert die ich mit ihnen verbinde. Ich freue mich auf das Alter in dem diese einzelnen Musikfragmente vielleicht ein zusammenhängendes Orchester ergeben.

Von weinenden Puffmuttern

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3 Wochen Spanien liegen hinter mir. Was für eine Zeit. Nicht nur das ich bei 32°C am Mittelmeer gelegen habe, nein ich habe auch noch die Party des Jahres gehabt, denn zu der Zeit stiegen die so genannten Las Fallas, ein valencianisches Volksfest um den Winter zu vertreiben und den Frühling zu begrüßen. Knapp eine Woche lang war die Stadt in heller Aufruhr, denn es wurden tagtäglich Masclettas, sehr laute Knallfeuerwerke, veranstaltet. Morgens wurden wir pünktlich um 8 Uhr mit einem Feuerwerk und einer vorüberziehenden Blaskapelle geweckt. In den letzten 4 Tagen fand Abends ein gigantisches, 20 minütiges Feuerwerk statt. Am vorletzten Tag der Fallas (sprich Fajas) wurde eine Parade veranstaltet, der einem Kölner Karnevalszug in nichts nachstand.

Am endgültig letzten Tag wurden haushohe, hölzerne Figuren angezündet und verbrannt. Dies entstand aus einer alten Tradition, nachdem die meist gehassten Nachbarn durch Holzfiguren karikiert wurden. Mit der Zeit wurde es dann politischer und es wurden bekannte Politiker veräppelt. Heutzutage ist es ein bunter Mix aus allem, und es wurden politisches mit fiktivem zusammen gewürfelt. Märchen, berühmte Personen, Fabelwesen aber auch lokale Themen wurden karikiert. 7 Tage lang vibrierte die Stadt und die Menschen waren sehr ausgelassen. Es wurde auf den Straßen getanzt, Grillfeste wurden unter dem wolkenlosen Himmel veranstaltet.

Wir waren auch im L´oceano Grafico, einem Unterwasserzoo. Sehr toll gemacht. Auch wenn mir die Delphine und die kleineren Wale sehr Leid tun. Solche Tiere sollten einfach nicht in solch (verhältnismäßig) kleinen Becken gehalten werden. Man kann wirklich sagen das ich diese 3 Wochen sehr genossen habe. Leider sind sie, wie alles was sehr viel Spaß macht, viel zu schnell verstrichen. Wir haben in Valencia Bekanntschaft mit einem Düsseldorfer Dönermann gemacht, haben Flos Nachbarin, einer vermeintlichen Puffmutter mit Whiskystimme und rosa Leggins, beim Weinen auf dem Balkon zugesehen, einer englischen Austauschstudentin mit einem Saufspiel (Mäxchen) unter den Tisch gesoffen, haben super leckere Paella gegessen bei den Eltern von Flos Mitbewohner Emilio, haben eine Torte erfunden, und sonst einfach eine tolle Zeit gehabt. The time of my life.